Frisches Rindfleisch beginnt im Kühlschrank nach drei, vier Tagen zu riechen. Eine angebrochene Tüte Trockenfutter mit Fleischanteil steht dagegen monatelang offen in der Speisekammer, bei Zimmertemperatur. Geruch und Geschmack verändern sich kaum. Das ungeöffnete Mindesthaltbarkeitsdatum liegt nicht selten 18 Monate oder weiter in der Zukunft.
Das ist keine Zauberei. Das ist Chemie. Welche Chemie genau in der Tüte steckt, musst du beim Hersteller oft extra erfragen. Denn das EU-Recht erlaubt es ausdrücklich, den konkreten Stoffnamen komplett vom Etikett fernzuhalten.
Warum Futter überhaupt vor sich selbst geschützt werden muss
Das eigentliche Problem ist meist nicht Verderb durch Bakterien, sondern Oxidation. Sobald Fett mit Luftsauerstoff in Kontakt kommt, wird es ranzig. Bei Trockenfutter ist das besonders heikel. Das im Herstellungsprozess erhitzte Fett wird anschließend oft von außen auf die Kroketten aufgesprüht. Das bedeutet: maximale Oberfläche, maximaler Luftkontakt, monatelange Lagerung in Sack und Napf.
Nassfutter aus Dose oder Beutel hat dieses Problem in der Regel nicht in gleichem Ausmaß. Hier sorgt die Sterilisation im geschlossenen, hitzebehandelten Gebinde für Haltbarkeit, nicht ein zugesetztes Antioxidans. Der große Haltbarkeits-Trick spielt sich also fast ausschließlich im Trockenfutter-Regal ab.
Damit das Fett im Trockenfutter nicht ranzig wird, braucht es ein Antioxidationsmittel. Nach Anhang I der EU-Verordnung 1831/2003 sind das per Definition Stoffe, die die Haltbarkeit von Futtermitteln verlängern. Sie schützen das Futter vor den schädlichen Auswirkungen der Oxidation. Die drei bekanntesten Vertreter: BHA, BHT und Ethoxyquin.
Antioxidationsmittel sind nur eine von mehreren Zusatzstoff-Kategorien im Napf. Tocopherole (Vitamin E) sind übrigens ebenfalls Antioxidationsmittel.
Die drei Klassiker der chemischen Konservierung
BHA (Butylhydroxyanisol, E320) und BHT (Butylhydroxytoluol, E321) sind synthetische Antioxidantien. Chemisch gehören beide zu den Phenolen. Beide sind hitzestabil und fettlöslich. Im Hundefutter werden sie häufig gemeinsam eingesetzt, oft ergänzt durch Propylgallat (E310).
Ethoxyquin wurde jahrzehntelang vor allem in Fischmehl eingesetzt. Es verhinderte dort nicht nur Ranzigkeit, sondern auch die Selbstentzündung des Mehls beim Schiffstransport. Genau dieser Stoff zeigt, dass „gesetzlich erlaubt“ kein Dauerzustand sein muss – dazu gleich mehr.
| Stoff | E-Nummer | Status in der EU (Stand 2026) |
| BHA – Butylhydroxyanisol | E320 | zugelassen, Höchstgehalt 150 mg/kg (zusammen mit BHT) |
| BHT – Butylhydroxytoluol | E321 | zugelassen, Höchstgehalt 150 mg/kg (zusammen mit BHA) |
| Ethoxyquin | E324 | seit August 2022 als Antioxidations-Zusatzstoff verweigert |
| Tocopherole (Vitamin E) | E306 ff. | zugelassen, gilt als natürliche Alternative |
Die Höchstgehalte in dieser Tabelle stammen aus dem EU-Register für Futtermittelzusatzstoffe. Das führt die Europäische Kommission auf Basis der EFSA-Bewertungen.
Der Trick: Warum „Antioxidationsmittel“ auf dem Etikett reicht
Hier kommt der eigentliche Clou. Normalerweise müssen Zusatzstoffe mit Bezeichnung, Kennnummer und zugesetzter Menge aufgeführt werden. Für Heimtierfutter gilt aber eine Ausnahme, die genau vier Funktionsgruppen betrifft: Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Farbstoffe und Aromastoffe. Diese vier dürfen laut EU-Kennzeichnungsverordnung 767/2009 (Anhang VII, Kapitel I) allein durch ihre Funktionsgruppe deklariert werden, ganz ohne konkreten Stoffnamen. Auch der FEDIAF-Kodex für Heimtierfutter bestätigt das ausdrücklich als zulässige Kennzeichnungspraxis (Abschnitt 7.2).
Auf Deutsch: Der Hersteller darf schlicht „Antioxidationsmittel“ ins Zusatzstoff-Feld schreiben und es dabei belassen. Ob dahinter BHA, BHT oder ein natürliches Tocopherol steckt, erfährst du nur, wenn du aktiv beim Hersteller nachfragst. Genau das sieht die Verordnung sogar ausdrücklich vor.
Für dich als Käufer heißt das: Ein Etikett ohne „BHA“ oder „E320″ bedeutet nicht automatisch, dass das Futter frei davon ist. Es kann auch heißen, dass der Hersteller nur die Funktionsgruppe angibt.
Wie du ein Etikett von A bis Z durchschaust, zeige ich dir Schritt für Schritt in meinem Grundlagen-Guide Das Fundament gesunder Hundeernährung – Der ultimative Leitfaden für artgerechtes Futter.
Was die Forschung zu BHA und BHT tatsächlich sagt

Um fair zu bleiben: BHA und BHT sind innerhalb der zugelassenen Höchstmengen kein akutes Gift. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für BHA einen duldbaren täglichen Aufnahmewert (ADI) von 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt – doppelt so hoch wie der ältere Wert von 0,5 mg (EFSA, 2011). Grundlage sind Rattenstudien: Bei hohen Dosen traten Wachstumsverzögerungen und Verhaltensänderungen bei Jungtieren auf.
Die früher entscheidenden Gewebeveränderungen im Vormagen von Ratten hält die EFSA heute für kaum übertragbar – dieses Organ haben weder Hunde noch Menschen. Für BHT liegt der ADI bei 0,25 mg pro Kilogramm. Basis sind Fortpflanzungs- und Blutbildeffekte bei Ratten sowie Lebertumoren in Langzeitstudien bei sehr hohen Dosen (EFSA, 2012). Im normalen Fütterungsalltag sind solche Dosen kaum erreichbar.
Wichtig zu wissen: Ein Höchstwert ist keine Unbedenklichkeitsgarantie. Er ist eine gesetzliche Obergrenze mit eingebauter Sicherheitsmarge. Als Futtermittelzusatzstoff hat die EFSA BHA gesondert bewertet: Die 150 mg/kg gelten für alle Tierarten als sicher – außer für Katzen, für die sich aus den Daten keine sichere Dosis ableiten ließ (EFSA). Für Hunde ist die Akte damit vorerst geschlossen. Die Katzen-Lücke zeigt aber, wie dünn die Datenbasis bei Heimtieren bis heute ist.
Ethoxyquin: Als selbst die EU nicht mehr mitspielte
Ethoxyquin ist der beste Beweis dafür, dass „seit Jahrzehnten zugelassen“ kein Sicherheitsnachweis ist. 2015 kam die EFSA bei ihrer Neubewertung zu einem klaren Schluss. Die vorliegenden Daten reichten schlicht nicht aus, um die Unbedenklichkeit zu belegen. 2017 setzte die EU-Kommission die Zulassung deshalb aus (Verordnung (EU) 2017/962).
Es gab eine Übergangsfrist bis 2020. Im August 2022 zog die EU mit der Verordnung (EU) 2022/1375 endgültig einen Schlussstrich. Die Zulassung von Ethoxyquin als Antioxidations-Zusatzstoff wurde rechtsgültig verweigert. Seither darf der Stoff Futtermitteln in der EU nicht mehr zugesetzt werden.
Bemerkenswert ist die Begründung: Für kurzlebige Masttiere wie Hühner, Schweine oder Rinder hielt die EFSA Ethoxyquin auch 2022 noch für sicher. Für langlebige Tiere konnte sie das nicht – wegen einer möglicherweise erbgutschädigenden Verunreinigung namens p-Phenetidin (EFSA, 2022). Jeder Hund ist ein langlebiges Tier.
Was heißt das für dich? Ethoxyquin gehört als offiziell zugesetzter Stoff in EU-Ware der Vergangenheit an. Das ist eine gute Nachricht. Die eigentliche Lehre daraus bleibt aber hochaktuell: Ein Stoff kann jahrzehntelang als sicher gelten und in Millionen Näpfen landen. Erst später stellt sich heraus, dass die Datenlage nie ausreichend war. Ob BHA und BHT eines Tages ähnlich neu bewertet werden, weiß niemand. Die Parallele bleibt unbequem.
Mehr zum Zusammenhang zwischen Futterqualität und chronischen Erkrankungen findest du in meinem Ratgeber Krank gefüttert? Wie minderwertiges Futter chronische Hundekrankheiten auslöst und verschlimmert. Speicher ihn dir ab. Dann kannst du dein Etikett heute Abend direkt checken.
Fazit: Die Ethoxyquin-Geschichte ist lehrreich. Ein Stoff galt jahrzehntelang als sicher – und wurde dann doch EU-weit verboten, weil die Datenlage nie wirklich ausreichte. Meiner Meinung nach ist das größte Problem dabei gar nicht die Chemie selbst. Es ist die Tatsache, dass Hersteller Konservierungs-, Antioxidations- und Farbstoffe laut EU-Recht bis heute allein über ihre Funktionsgruppe deklarieren dürfen – „Antioxidationsmittel“ reicht, ganz ohne konkreten Stoffnamen.
Für mich steht deshalb fest: Ein Etikett ohne „BHA“ oder „E320“ ist keine Entwarnung. Oft steht dann einfach nur die Funktionsgruppe da. Genau deshalb schaue ich heute nicht mehr nur auf das, was auf dem Etikett steht. Viel wichtiger ist mir, wie ein Futter überhaupt verarbeitet und haltbar gemacht wird.
Wie PETinjo® mit dem Thema umgeht
Mein Partner PETinjo® gart seine Zutaten laut eigener Angabe schonend im Dampf. Haltbar ohne Konservierungsstoffe ist das Nassfutter aus einem anderen Grund: Es wird im verschlossenen Beutel so stark erhitzt, dass keine Keime überleben – das ist bei jedem haltbaren Nassfutter so. Einige hitzeempfindliche Vitamine wie B1 gehen dabei verloren und werden deshalb wieder ergänzt. Entscheidender als die Verarbeitung ist aber das Deklarations-Prinzip dahinter: PETinjo® setzt konsequent auf eine radikal offene Deklaration. Jede einzelne Zutat wird bis auf die Kommastelle genau benannt. So versteckt sich nichts hinter Sammelbegriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“ oder eben „Antioxidationsmittel“.
Die Ausnahmeregel, die BHA oder BHT auf anderen Etiketten unsichtbar machen kann, spielt hier keine Rolle: Laut PETinjo® kommen die Menüs ohne zugesetzte Konservierungsstoffe aus. Was drinsteckt, steht drauf.
Über den folgenden Link gelangst du direkt zur offiziellen Manufaktur von PETinjo®. Dort überzeugst du dich gerne selbst von der ehrlichen, offenen Deklaration:
Hier geht es direkt zum Premium-Futter von PETinjo® – ohne zugesetzte KonservierungsstoffeTipp: Der Link öffnet sich in einem neuen Fenster. Leg dein Kundenkonto am besten gleich über diesen Link an, bevor du zu bestellen beginnst. So unterstützt du mit einem Klick auch diesen Ratgeber. Nimm dir heute Abend beim Füttern kurz die Zeit. Dreh die Packung deines Hundes um und schau ins Feld „Zusatzstoffe“. Steht dort nur „Antioxidationsmittel“ ohne weitere Angabe? Dann frag beim Hersteller nach, welcher Stoff dahintersteckt. Er muss es dir auf Anfrage nennen.
Häufige Fragen zu diesem Thema (FAQ)
Sind BHA und BHT in Hundefutter in der EU erlaubt?
Ja, innerhalb der zugelassenen Höchstmenge von zusammen 150 mg/kg gelten beide Stoffe weiterhin als legal.
Warum steht auf manchen Etiketten kein konkreter Stoffname für Konservierungsstoffe?
Weil Konservierungs-, Antioxidations- und Farbstoffe laut EU-Verordnung 767/2009 allein durch ihre Funktionsgruppe deklariert werden dürfen – ganz ohne Stoffnamen.
Ist Ethoxyquin noch in Hundefutter erlaubt?
Nein. Seit August 2022 ist die Zulassung als Antioxidations-Zusatzstoff mit der EU-Verordnung 2022/1375 endgültig verweigert.
