Du stehst im Supermarkt und liest die Zutatenliste deines Hundefutters. Da steht: „Tierische Nebenerzeugnisse, 32 %“. Was isst dein Hund gerade wirklich?
Viele Halter denken an Herz, Leber oder Niere. Nahrhafte Innereien, die auch Menschen essen könnten. Die Wahrheit ist unschärfer.
Die offizielle Definition erlaubt weit mehr als das. Sie deckt „alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern“ ab – ganz ohne Angabe, welche Teile das konkret sind. Das kann hochwertiges Muskelfleisch sein. Es kann genauso gut ein minderwertiger Verarbeitungsrest sein.
Du kannst das vom Etikett aus nicht unterscheiden. Genau darin liegt das Problem. Und genau das lege ich jetzt offen: wie diese Unschärfe entsteht, welche legalen Tricks darauf aufbauen – und wie du die Blackbox auf deinem Etikett künftig selbst entschlüsselst.
Umfassende Details zu artgerechter Ernährung findest du in meinem Basis-Leitfaden Das Fundament gesunder Hundeernährung – Der ultimative Leitfaden für artgerechtes Futter
Die Wahrheit hinter „tierischen Nebenerzeugnissen“ – was die Definition wirklich zulässt

Die offizielle Definition im Wortlaut
Die EU-Richtlinie 82/475/EWG – das Kategorienverzeichnis, auf das die Kennzeichnungsverordnung 767/2009 verweist – definiert die Kategorie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ so: alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere, frisch oder haltbar gemacht, sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern oder Teilen davon.
Lies den zweiten Halbsatz noch einmal. „Alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse.“ Diese Formulierung schließt fast nichts aus.
Der FEDIAF-Kodex, der Kennzeichnungsleitfaden der europäischen Heimtierfutter-Industrie, übernimmt diese Definition wörtlich (Anhang 1).
Was garantiert nicht drin sein darf: die Hygieneregeln
Ein Mythos hält sich hartnäckig: In „Nebenerzeugnissen“ landeten verendete Tiere oder Kot. Das stimmt nicht. Ins Heimtierfutter darf laut EU-Verordnung (EG) 1069/2009 nur sogenanntes Kategorie-3-Material.
Das sind Teile geschlachteter Tiere, die für den Menschen genusstauglich wären, aber nicht als Lebensmittel verkauft werden. Material der Kategorien 1 und 2 – etwa Risikomaterial, Magen- und Darminhalt oder zur Seuchenbekämpfung getötete Tiere – ist für Heimtierfutter verboten (LAVES Niedersachsen).
Das Problem ist also nicht Ekel, sondern Unklarheit: Zwischen wertvoller Leber und schwer verdaulichen Federn ist vieles erlaubt – und das Etikett verrät dir nicht, was drin ist.
Was das für deinen Napf bedeutet
Konkret fallen darunter:
- Muskelfleisch
- Innereien wie Leber, Niere oder Herz
- Weitere Schlachtteile wie Haut, Hufe oder Federn
Der Hersteller muss nicht angeben, welcher Anteil wovon stammt. Ein Produkt mit 4 % echtem Muskelfleisch und 28 % Verarbeitungsresten trägt exakt dasselbe Etikett wie eines mit 32 % hochwertigem Fleisch.
Die Branche hält dagegen: Lunge, Magen oder Kutteln seien „sehr nahrhaft, aber unmodern“ – so steht es im FEDIAF-Kodex (Kapitel 6.1). Das stimmt sogar. Nur sagt dir das Etikett nicht, ob du Herz bekommst oder Federmehl.
Wie groß die Spanne ist, zeigt eine Fütterungsstudie an Beagles: Federmehl verschlechterte die Kotqualität deutlich, Knochenproteinmehl nicht – beides kann unter „Nebenerzeugnisse“ fallen (Abd El-Wahab et al., 2022). Was Fleischmehl im Vergleich zu Frischfleisch wirklich wert ist, liest du in Fleischmehl vs. Frischfleisch: Der große Unterschied in der Qualität.
Wertvoll oder geringwertig? Ein Überblick
| Eher wertvoll | Eher geringwertig |
|---|---|
| Herz, Leber, Niere | Federn (auch als Federmehl) |
| Lunge, Pansen, Blättermagen | Hufe, Horn, Klauen |
| Blut | Haut, Borsten |
Alles in dieser Tabelle darf unter derselben Sammelbezeichnung stehen. Welche Spalte in deinem Napf landet, siehst du nur bei offener Deklaration.
Stell dir vor, du kaufst „Wurst“ im Supermarkt – das Etikett verrät dir nie, ob 90 % Filet oder 90 % Fett und Bindegewebe drinstecken. Beides heißt einfach „Wurst“. Für die Futterdose gilt dasselbe Prinzip, nur ahnst du es meistens nicht einmal.
Wichtig: Das ist kein Gesetzesverstoß. Es ist genau so vorgesehen. Und genau das macht die Kategorie so schwer zu durchschauen.
Offene vs. geschlossene Deklaration: Der legale Trick mit den Gruppennamen
Zwei Wege, eine Zutatenliste zu schreiben
Die EU-Verordnung 767/2009 erlaubt Herstellern zwei grundsätzlich verschiedene Wege, Zutaten zu deklarieren.
Weg 1 – offene Deklaration: Jede Zutat wird einzeln und mit ihrem genauen Namen genannt. Zum Beispiel: „Hühnerfleisch, Rinderleber, Karotten, Lachsöl.“ Du weißt exakt, was drin ist.
Weg 2 – geschlossene Deklaration: Hersteller nutzen Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“. Diese Gruppennamen fassen dutzende mögliche Einzelzutaten zusammen. Welche davon tatsächlich verwendet wurden, erfährst du nicht.
Laut EU-Verordnung Nr. 767/2009 (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe c) ist es Herstellern von Heimtierfutter ausdrücklich erlaubt, die spezifische Bezeichnung einer Zutat durch die Bezeichnung ihrer Kategorie zu ersetzen. Das ist keine Grauzone. Das ist geltendes Recht.
Der Hervorhebungs-Trick: Ein Rind auf der Packung, aber wie viel wirklich drin ist
Es gibt einen Mechanismus, den kaum ein Halter kennt: Sobald eine Zutat auf der Verpackung bildlich oder wörtlich betont wird – ein Foto von einem saftigen Steak, der Schriftzug „mit Rind“ –, muss der Hersteller Name und Prozentsatz genau dieser einen Zutat nennen (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a).
Das Ergebnis liest sich dann so: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Rind 4 %).“ Du siehst ein Rind auf der Packung. Du liest „Rind“ im Zutatentext. Die übrigen 28 % der Kategorie bleiben trotzdem unbenannt.
Die Grundregel dahinter stammt aus dem FEDIAF-Kodex: Hersteller sollen sich für einen Weg entscheiden – entweder konsequent offen oder konsequent nach Kategorien. Mischen ist nur bei Hervorhebungen vorgesehen, oder wenn eine Zutat zu keiner Kategorie passt.
Der Feuchtigkeits-Trick: Warum „Huhn an erster Stelle“ fast nichts bedeutet
Das Mixing-Bowl-Prinzip erklärt
Du hast sicher schon gehört: Je weiter vorne eine Zutat in der Liste steht, desto mehr ist drin. Das stimmt – mit einem entscheidenden Haken.
Die Reihenfolge folgt dem sogenannten „Mixing-Bowl-Prinzip“ – so nennt es der FEDIAF-Kodex selbst, die Rechtsgrundlage ist Artikel 17 Absatz 1 Buchstabe e der Verordnung 767/2009. Zutaten werden nach ihrem Gewicht zum Zeitpunkt ihrer Verwendung in der Produktion sortiert. Nicht nach ihrem Gewicht im fertigen Produkt.
Frisches Hühnerfleisch besteht zu etwa 70-80 % aus Wasser. Kommt es nass in den Mischtrog, zählt sein volles, wasserhaltiges Gewicht für die Rangfolge. Nach dem Trocknen oder Extrudieren verdunstet ein Großteil davon. Getreidemehl dagegen wird meist schon trocken zugegeben – sein Gewicht bleibt konstant.
Ein Rechenbeispiel, das dich überraschen wird
Stell dir ein Rezept vor: 40 % frisches Hühnerfleisch mit 75 % Wassergehalt, dazu 20 % bereits trockenes Getreidemehl.
Nach dem Trocknen bleiben vom Huhn nur noch rund 10 % Trockenmasse übrig. Vom Getreide bleiben die vollen 20 % erhalten.
Das Resultat: „Huhn“ steht ganz oben auf der Liste, weil es nass in den Trog kam. Am Ende steckt aber mehr Getreide als Huhn in der fertigen Masse. Kein Rechenfehler – nur die Konsequenz einer Regel, die auf Ausgangsgewicht setzt, nicht auf Endergebnis. Wie du diese Rechnung für jede Packung selbst nachvollziehst, zeige ich dir in Der Mythos vom hohen Fleischanteil.
„Mit Huhn“, „reich an Rind“, „Menü“: Was diese Wörter laut Branchenkodex mindestens bedeuten
Auf Verpackungen liest du oft werbewirksame Begriffe. Diese Mindestmengen stehen nicht im Gesetz, sondern im FEDIAF-Kodex für die gute Kennzeichnung – dem Branchenleitfaden, den die Verordnung 767/2009 in Artikel 25 ausdrücklich vorsieht:
- „Aromatisiert mit X“ – unter 4 % X
- „Mit X“ – mindestens 4 % X
- „Reich an X“ – mindestens 14 % X
- „X-Menü“, z. B. „Rind-Menü“ – mindestens 26 % X
Ein Produkt mit der Aufschrift „mit Huhn“ kann also schon bei 4 % Hühneranteil diesen Begriff tragen. Die restlichen 96 % bestehen aus etwas anderem – oft aus der breiten Kategorie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, ergänzt durch Getreide.
Ein Foto von einem saftigen Steak auf der Verpackung suggeriert Substanz. Rechtlich reichen dafür schon vier Gramm pro hundert Gramm Futter.
Merk dir diese vier Begriffe. Sie sind dein schnellster Realitäts-Check im Regal.
Zusatzstoffe: Wenn ein Wort reicht, um alles zu verschleiern
Die fünf Kategorien der EU-Verordnung 1831/2003
Die Verordnung 1831/2003 unterteilt Futtermittelzusatzstoffe in Artikel 6 in fünf Kategorien:
- Technologische Zusatzstoffe (z. B. Konservierungsmittel, Bindemittel, Säureregulatoren)
- Sensorische Zusatzstoffe (Farbstoffe, Aromastoffe)
- Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren)
- Zootechnische Zusatzstoffe (z. B. Verdaulichkeitsförderer)
- Kokzidiostatika und Histomonostatika
Jede Kategorie klingt technisch und seriös. Das ist kein Zufall.
Die Lücke bei Konservierungsmitteln, Antioxidantien und Farbstoffen
Jetzt kommt die Lücke, die im Alltag wirklich zählt. Bei den Funktionsgruppen „Konservierungsmittel“, „Antioxidationsmittel“, „Farbstoffe“ und – seit 2019 – auch „Aromastoffe“ reicht laut Verordnung die Angabe der Funktionsgruppe allein (Anhang VII, geändert durch Verordnung (EU) 2017/2279). Welche Stoffe sich hinter „Antioxidationsmittel“ verbergen können und was die EFSA dazu sagt, liest du in Künstliche Konservierungsstoffe: Warum dein Hundefutter jahrelang haltbar ist
Willst du wissen, welches Konservierungsmittel wirklich im Napf gelandet ist? Das steht fast nie auf der Packung. Laut EU-Verordnung Nr. 767/2009 hast du als Käufer aber ein Recht darauf, es zu erfahren: Der Hersteller muss auf der Packung eine kostenlose Telefonnummer oder einen anderen Kontaktweg angeben (Artikel 19) und dir auf Anfrage den konkreten Stoff nennen (Anhang VII). Eine Frist für die Antwort nennt die Verordnung allerdings nicht.
Aber Hand aufs Herz: Wer ruft vor dem Futterregal schon beim Hersteller an oder schreibt eine E-Mail – und wartet dann auf Antwort? Das macht im Alltag kaum jemand.
Sogar der Gesetzgeber selbst benennt hier ein Problem: Erwägungsgrund 20 der Verordnung 767/2009 räumt ein, dass „vor allem Heimtierbesitzer über die Angabe einiger Futtermittelzusatzstoffe verwirrt sein könnten“. Das steht so in der Verordnung selbst – nicht nur in einem Ratgeber-Artikel.
Welche Probleme all die genannten Punkte auslösen können, erläutere ich ausführlich in meinem großen Ratgeber: Krank gefüttert? Wie minderwertiges Futter chronische Hundekrankheiten auslöst und verschlimmert
Warum am Ende nur eine Sache wirklich zählt
Geschlossene Deklaration. Das Mixing-Bowl-Prinzip. Die 4-Prozent-Regel bei „mit X“. Zusatzstoffe, die nur als Funktionsgruppe auftauchen müssen.
Vier verschiedene Mechanismen. Ein gemeinsames Ergebnis: Du weißt am Ende nicht sicher, was wirklich in der Dose ist.
Jeder einzelne Punkt ist für sich genommen legal. In der Kombination entsteht daraus eine Blackbox, die selbst aufmerksame Halter kaum durchschauen.
Der sicherste Weg, diese Blackbox zu öffnen, ist eine konsequent offene Deklaration. Jede Zutat einzeln benannt, mit echtem Namen. Jeder Zusatzstoff mit seiner konkreten Bezeichnung. Kein Sammelbegriff, der Fragen offenlässt.
Je genauer jede Zutat benannt ist, desto weniger musst du raten.
Schluss mit der Blackbox im Napf. Wenn du diese Ungewissheit loswerden willst, setz auf eine offene Deklaration.
Ein Hersteller, der absolut nichts zu verbergen hat, schreibt nicht in Rätseln. Er listet jedes einzelne Gramm Fleisch und jede Zutat exakt mit Prozentangaben auf.
Genau diesen Weg geht mein Partner PETinjo®
Statt Sammelbegriffen liest du jede Zutat einzeln auf dem Etikett – auch Innereien wie Lunge, Niere oder Blut. Die sind nicht minderwertig, sondern nahrhaft. Der Unterschied: Du weißt, dass sie drin sind.
Im Gourmet-Menü Rind von PETinjo® stecken beispielsweise echte 78,4 % Rind – bis auf die Kommastelle aufgeschlüsselt: 33,5 % Muskelfleisch, 20 % Herz, je 6,5 % Lunge und Niere, dazu Brustbein, Blut, Leber, Brühe und Fett. Jede Position steht einzeln auf dem Etikett.
Fazit: Mich ärgert an der Kategorie „tierische Nebenerzeugnisse“ am meisten, dass sie zu 100 % legal ist und dir trotzdem nichts darüber verrät, was wirklich im Napf landet. Auflösen lässt sich diese Unschärfe am einfachsten so: bei einem Futter nachsehen, das freiwillig jedes Gramm einzeln benennt, statt sich hinter Sammelbegriffen zu verstecken.
Mein Tipp: Entdecke jetzt die artgerechten Gourmet-Menüs im PETinjo® Partnershop – zu 100 % offen deklariert, komplett getreidefrei und gemeinsam mit Fachtierärzten entwickelt!
Hier geht es direkt zu den transparenten Gourmet-Menüs von PETinjo®Tipp: Der Link öffnet sich in einem neuen Fenster. Leg dein Kundenkonto am besten gleich über diesen Link an, bevor du zu bestellen beginnst – so unterstützt du mit einem Klick auch diesen Ratgeber. Mach heute Abend den Realitäts-Check: Schau dir die Futterdose deines Hundes an. Findest du dort Gruppennamen oder den Feuchtmasse-Trick? Wenn ja, tu der Gesundheit deines Hundes den Gefallen und nutze diesen Ratgeber als Checkliste neben dem Napf.
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Häufige Fragen zu diesem Thema (FAQ)
Was bedeutet „tierische Nebenerzeugnisse“ auf dem Etikett wirklich?
Die EU-Richtlinie 82/475/EWG fasst darunter fast alles aus der Verarbeitung von Tierkörpern zusammen – von hochwertigem Muskelfleisch bis zu minderwertigen Verarbeitungsresten. Welcher Anteil wovon stammt, verrät dir das Etikett nicht.
Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Deklaration?
Bei offener Deklaration wird jede Zutat einzeln beim Namen genannt. Bei geschlossener Deklaration verschwinden mehrere mögliche Zutaten hinter Sammelbegriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“ – beides ist laut EU-Verordnung 767/2009 legal.
Was bedeuten Angaben wie „mit Huhn“ oder „Rind-Menü“ konkret?
Laut FEDIAF-Kodex verlangt „mit X“ mindestens 4 % X, „reich an X“ mindestens 14 %, ein „X-Menü“ mindestens 26 %. Schon 4 Gramm einer Zutat pro 100 Gramm reichen für ein verlockendes Foto auf der Verpackung.
